Hier mal ein Blick über den Tellerrand hinaus, was es noch so für offene Epaper Projekte gibt.
Wer ein E-Paper-Display für eine eigene Idee nutzen möchte, braucht eine Möglichkeit, Inhalte darauf zu übertragen. Genau hier setzt OpenDisplay an: Das Projekt entwickelt einen offenen Standard, Firmware und Werkzeuge für Displays, die über Bluetooth Low Energy angesprochen werden.
Unterstützt werden verschiedene Plattformen auf Basis von nRF52840 und ESP32. Über die Webwerkzeuge lassen sich passende Geräte mit Firmware versehen, konfigurieren und mit Bildern bespielen. Die Firmware steht unter der GPL-3.0-Lizenz.
Besonders spannend ist, dass eine gemeinsame technische Grundlage für unterschiedliche Geräte entsteht. Darauf können Menschen eigene Anzeigen und Anwendungen aufbauen, ohne jedes Mal bei null anzufangen zu müssen.
OpenDisplay entdecken · Firmware auf GitHub
Was soll eigentlich auf dem Display stehen? Tesserae beschäftigt sich mit genau dieser Frage. Im Browser lassen sich Seiten aus Widgets, Texten und Formen zusammenstellen. Wetter, Kalender, Home Assistant oder Abfahrtsinformationen können so einen gemeinsamen Platz bekommen.
Die Software bereitet die Inhalte für das jeweilige Display auf und aktualisiert sie dann nach Zeitplan. Sie steht unter der AGPL-3.0-Lizenz und eine Menge verschiedener Geräte und Displayplattformen werden unterstützt.
Tesserae bringt unterschiedliche Dashboards auf verschiedene E-Ink-Geräte. Foto: Tesserae (tesserae.ink).Die kleinen elektronischen Preisschilder aus dem Supermarkt können mehr als Preise anzeigen. OpenEPaperLink entwickelt schon seit einer ganzen Weile alternative Firmware und ein Kommunikationsprotokoll, mit denen sich unterstützte E-Paper-Tags mit eigenen Inhalten versorgen lassen.
Zum Projekt gehören Software für die Displays und den Access Point sowie Pläne für Access Points und Controller.
Super ist, dass vorhandene Technik bekommt eine neue Aufgabe. Aus einem passenden Preisschild könnte beispielsweise eine kleine Statusanzeige oder eine veränderbare Beschriftung für die Werkstatt werden.
Inkplate von Soldered verbindet E-Paper-Displays mit programmierbaren Entwicklungsboards. Beim Inkplate 6 gehören (wie bei uns) ein ESP32 und WLAN zur Grundlage. Hardwareunterlagen und Software sind offen verfügbar, darunter Schaltpläne, Platinenfertigungsdaten und eine Arduino-Bibliothek.
Wer selbst programmieren möchte, findet hier einen Ausgangspunkt für eigene Kalender, Informationsanzeigen oder Bilderrahmen. Inkplate nimmt einen Teil der Elektronikarbeit ab und lässt eine Menge Raum für die eigene Anwendung.
Inkplate 6 kombiniert ein wiederaufbereitetes E-Reader-Display mit einer offenen Entwicklungsplattform. Foto: Soldered Electronics / Crowd Supply.Mehr über Inkplate 6 und seine offenen Entwicklungsdateien
TRMNL ist derzeit wahrscheinlich die bekannteste Epaper-Lösung und verfolgt die Idee einfach ausgewählte Informationen sichtbar machen, ohne dafür ständig eine App öffnen zu müssen. Das Projekt verbindet Displays mit unterschiedlichen Diensten und bereitet deren Inhalte als übersichtliche Ansichten auf.
TRMNL ist nur eingeschränkt Open Source. Die Firmware und eigene Anleitungen sind offen, während das Gerät selbst proprietär ist.
Ein Lesegerät, dessen Aufbau man nachvollziehen und verändern kann: Das ist die Idee hinter The Open Book von Joey Castillo. Das Projekt macht die Entwicklung eines eigenen E-Readers zugänglich und veröffentlicht die dazugehörigen Entwürfe und Software.
Damit spricht es besonders Menschen an, die gerne selbst bauen und verstehen möchten, wie ihr Gerät funktioniert. Die im Repository beschriebene Version basiert auf einem Raspberry Pi Pico und ist auf einen überschaubaren Bauteilumfang und die Montage von Hand ausgelegt.
Wir bauen ja Geräte die sehr lange brauchen bis ein neues Bild angezeigt wird. Dagegen beschäftigt sich Modos mit einer anderen Herausforderung: Wie lässt sich die Technik für einen reaktionsschnellen Computermonitor nutzen?
Eine Grundlage dafür ist das offene Hardwareprojekt Glider zusammen mit dem offenen Displaycontroller Caster. Im Mittelpunkt stehen eine geringe Latenz und eine schnelle Ansteuerung geeigneter Panels. Daraus entstehen auch Produkte wie das Modos Paper Dev Kit.
Das ist technisch anspruchsvoll und gerade deshalb interessant. Hier wird bis zur Displayansteuerung hinunter daran gearbeitet, neue Einsatzmöglichkeiten für E-Paper zu erschließen.
Das Modos Paper Dev Kit erschließt E-Paper als Computermonitor. Hier die 13-Zoll-Variante mit Glider Mega Adapter. Bild: Modos Tech / Crowd Supply.Mehr über Glider und die Modos-Projekte
Diese Projekte zeigen, wie unterschiedlich offene Entwicklung aussehen kann. Manche veröffentlichen Firmware, andere eine Dashboard-Anwendung oder die Hardwareentwürfe. Wer selbst etwas bauen oder verändern möchte, sollte deshalb schauen, welche Teile tatsächlich offen vorliegen und welche Geräte unterstützt werden.
Bei unserem eigenen OpenPaper gehören Hardware, Software und Konstruktionsdateien zum Open-Source-Ansatz. Wir entwickeln und fertigen lokal in Dresden, vom Bilderrahmen bis zur Endmontage. Umso mehr freuen wir uns über andere Menschen, die ihr Wissen teilen und E-Paper auf ihre Weise weiterdenken.